Was ist Angst? Wozu führt sie? Und warum reagieren viele Menschen so besorgt vor einem Besuch beim Zahnarzt? Antworten auf diese Fragen gab der erste Patientenvortrag „Loslassen und vertrauen – Umgang mit Angst als Baustein der Heilung“ am 16. Juni in der Klinik im Rü-Karree. Die Psychotherapeutin Dorothea Isselstein-Mohr, seit vielen Jahren erfahren in der Betreuung von Schmerzpatienten, stellte dabei ihr Konzept der Angstbewältigung vor, auf das in Zukunft auch die Patienten der Klinik im Rü-Karree zurückgreifen können.
In ihrem Vortrag machte die Psychotherapeutin deutlich: Angst ist ein wichtiger Schutzmechanismus und wirkt sich bei jedem Menschen unterschiedlich aus. Wird sie übermächtig, kommt es zu einer Blockade im Gehirn, der Mensch ist in seiner Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit gelähmt. Deshalb kommt es auch nicht darauf an, die Angst auszuschalten, sondern darauf, ihre Auswirkungen zu erkennen und durch aktive Entspannungstechniken zu beherrschen. Bei der Frage, wie man mit seiner Angst umgeht, hatten die Teilnehmer unterschiedliche Vorschläge: angefangen bei „einfach durchstehen“ über die „richtige Atemtechnik“ bis hin zu „sich die Angst zur Freundin machen“. Richtig, so Dorothea Isselstein-Mohr, sei es, sich der Angst zu stellen. Sie zu verdrängen ist falsch. Dann taucht sie an anderer Stelle wieder auf.
Hochspannung verschlimmert Schmerzen
Wer unter Hochspannung zum Zahnarzt geht, steigert die anschließenden Schmerzen. Die Assoziationskette: Der Patient verknüpft den Zahnarzt mit Angst. Durch Verdrängen taucht diese Angst immer wieder auf, und er fühlt sich ihr ausgeliefert. Daraus entsteht eine Blockade im Gehirn. Die Muskeln verkrampfen, das Schmerzpotenzial steigt. Auch auf den Zahnarzt wirken sich nonverbale Zeichen eines Angstpatienten belastend aus, berichtete Klinikgründer Dr. Ingo Brockmann aus der eigenen Arbeit.
Behandlung ohne Blockaden
Umso wichtiger ist es, dem Betroffenen Sicherheit zu geben und eine angenehme Atmosphäre in der Klinik zu schaffen. Individuelle Vorbereitung und Aufklärung sowie Vertrauen zum Arzt helfen dabei. Durch die richtige Atemtechnik, die gleichzeitige Visualisierung einer schönen Situation und entspannende Musik kommt die psychische Balance wieder ins Gleichgewicht. Und der Patient geht ohne Blockade in die Behandlung hinein. Den Teilnehmern gab Dorothea Isselstein-Mohr mit auf den Weg: „Wenn du Angst vor der Angst hast, kann sie dich überwältigen. Aber wenn du sie ruhig zu dir hereinlässt, kannst du sie beherrschen.“
Mensch im Mittelpunkt
Nach dem Vortrag nutzten die Zuhörer die Gelegenheit, Dorothea Isselstein-Mohr ganz persönlich zu befragen. Dr. Ingo Brockmann freute sich über das große Interesse: „Die Methoden von Dorothea Isselstein-Mohr runden unsere Vision einer ganzheitlichen Zahnmedizin ab, die nicht das Bohren, die Füllung oder das Implantat in den Mittelpunkt stellen, sondern den Menschen in seiner ganzen Vielfalt. Damit machen wir einen großen Schritt, etwas zu verändern, denn wir geben unseren Patienten aktive Hilfestellung, mit den Ängsten vor einer Zahnbehandlung positiv umzugehen.“ Zukünftig bietet Dorothea Isselstein-Mohr Termine in der Klinik im Rü-Karree an.
